Katja Eydel What if I could be anything?            2004
26 Farbfotografien        50 x 60 cm        Auswahl
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Die Fotoserie "What if I could be anything?" von Katja Eydel zeigt das Innenleben einer gewerblich produzierenden Firma und versucht deren visuelle Existenzformen einzufangen. Sie hält sozusagen den AuslÖser direkt an den Pulsschlag einer finalen neoliberalen Globalisierung, und die Kamera meldet, dass da keinerlei Herz schlägt, sondern höchstens ein Taktometer in Richtung abnehmende Arbeitsplätze. Kameras können ja nicht lügen.

So was hat Geschichte. War es früher ein beflissener Aufdeckungs- und Entlarvungsimpetus, der die subjektive Kamera beherzt durch entfremdete Gesichter und Ausbeutungsgrade scheuchte, ist bei Katja Eydel, und nicht nur ihr, allgemeine Ernüchterung und Versachlichung zu beobachten. Die geniale Umdefinition von Lohnarbeit in eine vermeintlich vom Aussterben bedrohte ‘natürliche’ Ressource oder meinetwegen ein arg begrenztes Bodenschätzchen, hat auch hier ihr übriges getan. Bis in den letzten Winkel des Betriebsgeländes.

Die möglichen Unterschiede zu der sozial oder sozialistisch motivierten Fotografie aus den siebziger Jahren waren der Ausgangspunkt für Katja Eydels Suche nach einer Firma, die groß genug für einen entsprechend spezifisch eigendynamischen Mikrokosmos ist und die auch bereit war, ein fremdes Kameraauge in sein heiliges Betriebsinneres vorzulassen. Einerseits die verbreitete Angst vor Betriebsspionage sowie der Umstand, dass in Berlin lediglich zwanzig Firmen in der gewünschten Größenordnung - über 500 Mitarbeiter - angesiedelt sind, gestaltete die Suche nach einem kooperativen Unternehmen schwieriger als erwartet.

Angesichts des beträchtlich inszenierten Firmenalltags mag man hier kaum von Dokumentarfotografie sprechen. Eher von Dokumenten. Katja Eydel nennt das auch Soziologie in Bilderform freilegen: "Bildmäßig geht es mir um die Symbiose, die die Personen mit dem Surrounding eingehen und auch eingehen sollen. Ich glaube, das zu zeigen, ist abschreckend genug. Ohne dass die Personen darin dekuvriert [oder unfreiwillig von beiden Seiten vorgeführt] werden müssen."

Gunter Reski